Die erste Bewerbung macht doppelt viel Mühe

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Die Absenderadresse mittig statt linksbündig, Indikativ statt Konjunktiv - "ich freue mich" statt "ich würde mich freuen" - und eine persönliche Einleitung. In Rot hatte die Lehrerin daraufhin entsprechend der Vorlage aus dem Bewerbungshandbuch korrigiert und den Eingangssatz "hiermit möchte ich mich um einen Betriebspraktikumsplatz bewerben" hinzugefügt.
"Ohne meine Mutter", schimpft der 14-Jährige, "hätte ich mindestens eine Zwei für die Bewerbung bekommen." Aber damit noch lange kein Praktikumsplatz, kontert Gerhard Winkler. Für den Autor aus Berlin sind weder Eltern noch Pädagogen die besten Ratgeber: "Eltern sind zu oft auf dem Stand von 1980, viele Lehrer nicht von dieser Arbeitswelt."
Winkler, der sich "Bewerbungshelfer" nennt, unterscheidet zwischen Musterbewerbungen nach den Unterrichtsvorgaben und der Realität: "Lehrer sind zufrieden, wenn Schüler in der Lage sind, vorgegebene Formate mit ihren eigenen Daten zu füllen." Für die echte Bewerbung rät der Trainer zu einem individuelleren Vorgehen: "Wenn Sie einen Personaler über Ihre Ausbildungseignung instruieren, können Sie sich alles formale Getue sparen."
Das klingt sehr anspruchsvoll. Aber der Aufwand lohne sich, sagt Winkler. Zur Untermauerung verteilt er in Bewerbungstrainings Musteranschreiben aus der Ratgeberliteratur. Darin sollen die Jugendlichen die eigentlichen Fakten hinter den Floskeln markieren. Nicht selten bleibt das Papier erschreckend farblos: "Es gibt zu lange Einleitungen und zu viele geschwätzige Ich-Aussagen."
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