REPORTAGE: Fassungslosigkeit und Angst am Opel-Werkstor

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Mit den Verkaufsverhandlungen habe sich GM in den letzten zwölf Monaten lediglich finanziell Luft verschaffen wollen, vermutet Opelaner Müller. Ein "reines Hinhaltegeschacher" sei das gewesen. Jetzt hat er Angst um seinen Job. Er befürchte, dass GM "einen Radikalschlag macht, und uns in die Insolvenz schickt", sagt er an diesem grauen Tag am Ende seiner Frühschicht.
Axel Kraus macht seit zwei Jahren eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei dem traditionsreichen Autobauer - und fürchtet nach dem Schwenk der Manager in Detroit nun um seine Lehrstelle. Er habe von der GM-Entscheidung aus einem Rundschreiben zu Schichtbeginn erfahren. Jetzt hoffe er, dass Opel so lange existiert, dass er seine Ausbildung beenden kann. "Ich hatte noch nie großes Vertrauen in GM", fasst der junge Mann zusammen und gibt die Stimmung seiner Kollegen damit wieder.
GM selbst musste in den vergangenen Monaten die Insolvenz durchschreiten. Die ungeliebte Mutter auf der anderen Seite des Atlantiks wurde häufig für die Probleme von Opel verantwortlich gemacht. Qualitätsmängel, falsche Modellpolitik - schuld daran war GM. Bis zuletzt schien es beschlossene Sache, dass der taumelnde US-Autogigant GM seine seit Jahren kriselnde deutsche Tochter an den kanadisch-österreichischen Zuliefererkonzern Magna verkauft, weil GM Opel nicht mehr halten konnte.
Betriebsratschef Franz witterte entsprechend schon Morgenluft und versuchte alles, damit Opel nach acht Jahrzehnten endlich von der Konzernmutter loskommt. Die Belegschaft erklärte sich bereit zum Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, zur Aussetzung von Lohnerhöhungen. Doch nun ist die Hoffnung dahin - und bei den Arbeitnehmervertretern herrscht Verbitterung. Franz kündigte bereits eine Zusammenarbeit in eisiger Atmosphäre an: "Den Weg zurück zu General Motors werden wir nicht mitgestalten, sondern unsere klassische Schutzfunktion für die Belegschaft wahrnehmen."
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