"Lehrsamer Zeitvertreib" - Die Geschichte des Puzzles

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Seit 25 Jahren sammelt der Biologe aus Enschede gemeinsam mit seiner Frau historische Puzzle-Spiele und darf sich Europas wohl einziger Puzzle-Forscher nennen. Einen Querschnitt durch seine Sammlung, in der sich insgesamt wohl 5000 Spiele aus vier Jahrhunderten stapeln, zeigt unter dem Titel "Gebt, Götter, mir Geduld!" von Sonntag an (bis 31. Januar 2010) das Clemens-Sels-Museum in Neuss.
Das älteste der rund 300 gezeigten Museums-Stücke stammt aus dem Jahr 1770, als der Gedanke des "lehrsamen Zeitvertreibs" populär wurde. Zwar vertrieb das Puzzle, dessen neudeutscher Name übrigens erst seit 1972 im Brockhaus-Lexikon genannt wird, schon zuvor in den noblen Salons die überflüssige Zeit. Der wirkliche Boom in Kinderzimmern setzte erst im Gefolge der aufklärerische Gedanken Rousseaus ein, wonach die Kindheit als behutsame Bildungsphase zu bewerten sei. Allerlei zerlegte und zerstanzte Landkarten oder Tierbilder vermittelten von nun an per Legespiel Weltwissen an die Kleinen. Geheimrat Goethe notierte 1829 liebevoll über seinen Enkel: "Wölfchen spielte nach seiner Art, die zerschnittenen Bilder zusammensetzend."
Die Großen mochten es gruselig: Bilderbögen von verheerenden Bränden oder mit Schlachten-Motiven wurden auf Pappe und Holz geklebt, zersägt oder zerstanzt. So gehörte das Spiel als populäre Druckgrafik plötzlich zur Geschichte der Massenmedien, die - noch recht betulich - die Lust auf Sensationen stillten. Selbst volkstümliche Literatur fand Eingang ins Puzzle. Ein eher komischer Vorläufer des Horrorfilms zeigt ein in viele Teile zerlegtes kopfloses Skelett im Schrank: "O, wer hätte das geglaubt, ein Gerippe sonder Haupt."
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