12.05.2008

"Nackerte" posieren für Tunick im Fußballstadion

Wien (dpa) - Ein Kunstwerk braucht viel Geduld, wenig Schamgefühl und muss mit Kälte umgehen können - zumindest wenn Menschen das Motiv sind. Und wenn Spencer Tunick der Künstler ist.

Nackte im EM-Endspielstadion
Für Spencer Tunicks neueste Nackt-Installation kamen tausende Models ins Wiener Ernst-Happel-Stadion.
© dpa
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1840 Freiwillige kommen bei sonnigem Frühlingswetter am Sonntagmittag in das Wiener Ernst-Happel-Stadion, der Endspielarena der Fußball-Europameisterschaft, um sich für eine Kunstinstallation des Amerikaners Spencer Tunick gratis auszuziehen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit gibt der Künstler Anweisungen per Megafon oder Stadionlautsprecher und lässt die entkleideten Menschen in immer anderen Stellungen neben dem Spielfeld oder auf der Tribüne posieren.

"Wenn ich in Amerika mit Nackten in ein Stadion ginge, würden die mich sofort festnehmen", sagt Tunick. Mit seinen Aktionen mit nackten Menschenmassen, die er "Körperlandschaften" oder "soziale Plastiken" nennt, ist er schon um die ganze Welt gezogen. Die bisher größte entblätterte Menschenmenge fotografierte er mit 18 000 Freiwilligen in Mexiko-Stadt. "Ich wundere mich immer wieder über die Ausdauer der Leute", sagt er. In Österreich seien die Menschen leicht zu dirigieren und ehrlich bemüht, ein Kunstwerk zu werden.

"Ich finde Nacktheit ein gutes Prinzip", sagt ein 35-jähriger Sozialwissenschaftler aus Kiel. Nackte Haut bringt seiner Meinung nach Menschen näher zueinander. Mit Freunden hat er sich bereits im Internet für die Installation angemeldet. "Damit haben wir für den Muttertag eine gute Ausrede", sagt der 29-jährige Christoph, der sich mit seiner ebenfalls 29-jährigen Freundin Katharina ausziehen will. Unwohl ist beiden nicht - sie gehören auch zu einer Gruppe, die ohne Kleider Fahrrad fährt. "Das ist noch absurder", sagt Christoph.

"Nicht lachen", "Arme wie ein Flugzeug ausbreiten" oder "Hände an den Körper" kommandiert Tunick im Stadion. Die Menschen stellen sich auf die Sitze, beugen sich darüber oder posieren mit Fußbällen am Rande des Spielfelds. Der für die EM präparierte Rasen ist tabu, da die UEFA am Montag das Stadion offiziell übernimmt. Immer wieder muss der Künstler disziplinieren, Anweisungen wiederholen oder Störenfriede wegschicken. Dann heißt es "Don't move - nicht bewegen" und die Auslöser der Kameras klicken.

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