Niels Frevert - Du kannst mich an der Ecke rauslassen

Hinter ihm sitzen Streicher, aber die beachtet er nicht weiter. Die neun Songs seines neuen Studioalbums würden trotz aller Arrangements vermutlich auch ohne jede Instrumentierung funktionieren. Weil Frevert kleine Lieder geschrieben hat, die in erster Linie über Worte funktionieren.
"Was kann es denn schwereres geben, als so mit sich selber zu leben", fragt Frevert in "Ich möchte mich gern von mir trennen" und erzählt anschließend, was er so alles an und um sich herum nicht mag. Das ist nicht ganz einfach anzuhören, vor allem weil sich der Beat freundlich Richtung schummriger Bossanova bewegt. Aber es ist inhaltlich durchaus traditionalistisch. Die Schau nach innen kennt man von ihm, die Fähigkeit zur klugen und nicht abgedroschenen Bildsprache ebenfalls, die im folgenden "Waschmaschine" ihren Höhepunkt findet.
Da Referenzpunkte oder Vergleichsmöglichkeiten zu finden, ist schwierig. Vom gängigen Pop hat sich Frevert abgekoppelt. Zu nennen wäre vielleicht Tom Liwa, dessen esoterische Schlagseite hier Gott sei's gedankt aber völlig fehlt. Oder Dirk Darmstädter, zumindest, was das musikalische Selbstverständnis angeht. Aber eigentlich ist die Suche nach irgendwelchen Bezügen ja auch müßig, denn "Du kannst mich an der Ecke rauslassen" ist eine angenehm unspektakuläre, aber gerade in dieser Ruhe fast zwingende Platte. Einer, der ein Bioopic wie "Niendorfer Gehege" schreibt - übrigens arbeitet sich Frevert auf der neuen Kettcar-Platte als Gast an einem ganz ähnlichem Thema ab -, so einem sollte man schon zuhören.
Bewertung: Meisterwerk
Niels Frevert
| Titel: | "Du kannst mich an der Ecke rauslassen" |
|---|---|
| Label: | Tapete |
| Vertrieb: | Indigo |
| Erscheinungstermin: | 29.02.2008 |
| EAN-Code: | 4047179072328 |
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