
Dortmund: Kritik am Trainer von allen Ebenen
Zumindest so, dass sie im Pokalfinale gegen den FC Bayern München (Samstag, 20 Uhr) seriöse Gegenwehr bietet. Seriöser als zuletzt in der Meisterschaft gegen die Bayern (0:5) und gegen Hannover (1:3). Aber Doll kämpft auch in eigener Sache. Er kämpft um seinen Job.
In Dortmund mehren sich die Zweifel, ob der Trainer noch weit über das Pokalfinale hinaus seiner Tätigkeit beim BVB nachgehen wird. Offenbar schwindet sein Rückhalt auf allen Ebenen. Nicht einmal sein erst vor zwei Monaten bis 2010 verlängerter Vertrag - und möglicherweise nicht einmal ein eventueller Pokalsieg - garantiert Doll tatsächlich eine Weiterbeschäftigung. Ihm wird der dramatische Verfall der Mannschaft angelastet, die konfusen Fußball zu ihrem Markenzeichen erhoben hat.
Sollte der Fußball-Lehrer dieser Borussia seit Amtsantritt im März 2007 eine Handschrift verpasst haben, so sei sie krakelig und unlesbar, ätzen seine Kritiker. Vorgehalten werden Doll sein taktischer Schlingerkurs und die von Sprunghaftigkeit geprägten Personalentscheidungen.
Um vor dem Pokalfinale keine zusätzliche Unruhe zu schüren, verneinen die BVB-Bosse offiziell jede Diskussion über ihren Trainer. Tatsächlich aber deutet viel darauf hin, dass führende Repräsentanten des Vereins ihrem verantwortlichen Übungsleiter nicht mehr zutrauen, in die Erfolgsspur zurückzukehren. Zuletzt hatte Präsident Dr. Reinhard Rauball via "Bild" entsprechend deutliche Signale gegeben. Dolls Kampf um seinen Job mutet an wie das aussichtlose Ringen des Don Quijote, der sich mit Windmühlen anlegte.
Powerfußball nur am Reißbrett
Nur noch Spurenelemente sind von der Freude vorhanden, die der Halbfinalsieg über Jena (3:0) ausgelöst hatte. Das ähnelte wieder der zu Saisonbeginn spürbaren Euphorie, als 13.000 (!) Zuschauer beim ersten Training und 50.549 verkaufte Dauerkarten für Rekorde an allen Fronten sorgten.
Was davon geblieben ist? Den von Doll propagierten, attraktiven Powerfußball gibt es weiter allein auf dem Reißbrett, auf dem der Trainer ihn entworfen hat. So reibungslos der Durchmarsch im Pokal erfolgte (mit fünf Siegen über Magdeburg, Frankfurt, Bremen, Hoffenheim und Jena), so chaotisch verlief die Bundesliga-Saison.
Wie sein Team durch die Liga irrlichtert, mit dem Kollektiv-Versagen gegen Bayern München und Hannover zur Lachnummer in Deutschland geriet und jetzt nur noch sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsrang aufweist, hat selbst den Trainer überrascht. "Wir müssen da nichts schönreden", sagt er, "wir sehen, dass wir eine schlechte Saison spielen. Dass wir jetzt ins Pokalfinale gekommen sind, ist eine große Sache für den Verein. Trotzdem werden wir nicht aus den Augen verlieren, wie die Saison gelaufen ist."
Neulich im Deutschen Sportfernsehen (DSF) sagte Doll: "Man kann nicht noch einmal so eine Saison spielen. Die kann ich dann natürlich auch nicht mitspielen." Doll spürte schon damals, dass der Druck auf ihn zunahm: "Am Ende muss ich dafür gerade stehen, ob eine Entwicklung zu sehen ist, und ob ich die Mannschaft weitergebracht habe."
Jetzt könnte schneller Wirklichkeit werden, was Doll eigentlich im Vorgriff auf die nächste Saison gesagt hatte.






















