04.07.2009
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Das "Wunder von Bern": "Herzblut für Deutschland"

Hamburg (dpa) - Es regnet in Strömen an jenem 4. Juli 1954, als die Mannschaften den Rasen des Wankdorf-Stadions in Bern betreten. "Dem Fritz sei Wedder", weiß Sepp Herberger und der Fußball-Weise behält auch diesmal Recht.

Die Sieger
Kapitän Fritz Walter (m) und Trainer Sepp Herberger (r) werden von begeisterten Fans auf Schultern getragen.
© dpa

Denn nicht Major Ferenc Puskas und seine als unschlagbar geltenden Ungarn werden im WM-Endspiel zu Helden, sondern die Außenseiter mit dem Adler auf der Brust. Fritz Walter vom 1. FC Kaiserslautern, der es mag, wenn der Rasen nass und der Ball schwer ist, führt im Mittelfeld Regie, Helmut Rahn trifft zum 3:2 und macht das "Wunder von Bern" perfekt. Eine Legende ist geboren, die junge Republik stürzt in einen kollektiven Freudentaumel. Kein Ereignis hat die Menschen im Nachkriegs-Deutschland bisher so bewegt und euphorisiert wie der erstmalige Gewinn der Weltmeisterschaft.

"Beim Schlusspfiff wussten wir, dass wir Weltmeister sind. Aber was das für die Leute zu Hause bedeutet, haben wir erst gemerkt, als wir wieder deutschen Boden betreten haben. Es war ein toller Empfang", erinnert sich Horst Eckel, neben Otmar Walter und Hans Schäfer einer von drei noch lebenden Spielern aus der siegreichen Elf, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der damals 22 Jahre alte rechte Läufer, wegen seiner Schnelligkeit auf dem Platz "Windhund" genannt, kann es kaum glauben, was er erlebt. Hunderttausende säumen die Gleise und Straßen, als die Weltmeister wie im Triumphzug in die Heimat zurückkehren. Ein Moment des Stolzes in einer ansonsten freudlosen Zeit. Bundespräsident Theodor Heuß und Kanzler Konrad Adenauer - sonst wenig Sport-affin - gratulieren.

Vom Endspiel, geschweige denn vom Titel wagen Bundestrainer Herberger und seine 22 Auserwählten beim Aufbruch ins Nachbarland drei Wochen zuvor nicht einmal zu träumen. "Wir sind in die Schweiz gefahren, um gut auszusehen und um mit Herzblut für Deutschland zu spielen. Wir haben gesagt, wir versuchen alles, wir schauen, wie weit wir kommen", bekennt der 77-jährige Eckel ohne jegliche Untertreibung. Und der Start ins Turnier verläuft durchaus holprig. Trotz eines 3:8-Debakel gegen Ungarn, das Herberger in der Heimat heftige Kritik wegen seiner Mannschaftsaufstellung einträgt, übersteht Deutschland die Vorrunde, quält sich im Viertelfinale zu einem 2:0 gegen Jugoslawien und erfährt erst nach dem 6:1 im Halbfinale gegen Österreich erstmals auch international Anerkennung.

Doch im Endspiel gegen die seit drei Jahren ungeschlagenen Fußball-Künstler aus Budapest gibt niemand auch nur einen Pfifferling auf die deutsche Mannschaft. Und als es im Wankdorf-Stadion nach nur acht Minuten durch Tore von Puskas und Zoltan Czibor 0:2 steht, sehen sich Pessimisten in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Aber diesmal hat Herberger keine B-Elf auf den Rasen geschickt wie 14 Tage zuvor in Basel, sondern eine Mannschaft, die bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln. Der Lauterer Eckel hat vom "Chef" die Sonderaufgabe erhalten, Ungarns Top-Stürmer Nandor Hidegkuti an die Kette zu legen, und erfüllt diese Rolle mit Bravour - ein Schlüssel zum Sieg. "Man kann Herbergers Anteil am Erfolg nicht in Prozenten ausdrücken, aber er hat schon sehr viel dafür getan", resümiert Eckel.

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