05.07.2009
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Gesperrte Pechstein sieht sich als Präzedenzfall

"Meine Angst, öffentlich des Dopings beschuldigt zu werden und die Hoffnung, die Angelegenheit ohne Aufsehen klären zu können, waren stärker als mein Verlangen es heraus zu schreien, unschuldig des Dopings bezichtigt zu werden", berichtete sie auf ihrer Homepage und räumte ein: "Heute weiß ich, dass dies ein Fehler war. Ein Fehler vor allem deshalb, weil ich die Öffentlichkeit und meine Fans belogen habe. Dafür möchte ich mich entschuldigen." Öffentlich hatte sie in Abstimmung mit der Teamleitung behauptet, einen grippalen Infekt erlitten zu haben. "Natürlich ist es total blöd, dass ich damals nicht die Wahrheit sagen konnte. Aber mir wurde ja förmlich die Pistole auf die Brust gesetzt seitens der ISU", sagte sie der dpa.

Im Zusammenhang mit der Sperre sprach Pechstein von einer "öffentlichen Hinrichtung". Sie habe den Doping-Stempel aufgedrückt bekommen. "Das Unvorstellbare ist tatsächlich geschehen, das schlimmste was einem Sportler passieren kann. Ab jetzt kann es nur noch besser werden." Pechstein bekräftigte, es habe in ihrer rund 18- jährigen Karriere nicht einen einzigen positiven Dopingbefund gegeben. "Ich bin in den vergangenen Jahren ein ums andere mal getestet worden. Im Training, beim Wettkampf, nach Siegen, nach Enttäuschungen, bei mir zu Hause, im Urlaub, selbst aus einer laufenden Kinovorstellung hat man mich herausgeholt und zur Dopingprobe gebeten. Alle negativ!", sagte Pechstein.

Bei ihrem Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS, den ihr Anwalt gemeinsam mit der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) einreichte, argumentiert Pechstein, dass es auch "Tausend andere Gründe für erhöhte Blutwerte" geben könne. "Selbstverständlich habe ich mich bereiterklärt, mich auf mögliche Anomalien untersuchen zu lassen. Des weiteren habe ich ein mehrwöchiges Screening mit lückenloser Erhebung sämtlicher Blutwerte und EPO-Tests angeboten", meinte sie. Zudem führte sie aus: "Es wurden bei mir keine Blutbeutel und keine Spritzen gefunden wie bei Radsportlern. Es wird auch keine weiteren Indizien geben, die die ungeheuerliche Unterstellung der ISU stützen werden."

Mit Bestürzung haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die DESG auf die Sperre reagiert, der Athletin aber Rückhalt gewährt. "Es gilt nun, den Verdacht so schnell wie möglich aufzuklären", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper der dpa. "Es ist gut, dass es jetzt neutrale Untersuchungen gibt", fügte er hinzu. Vesper bestätigte, der DOSB sei "informiert, aber nicht involviert" gewesen.

Auch die DESG "steht an der Seite der Athletin und geht bis zur rechtskräftigen Verurteilung von ihrer Unschuld aus", heißt es in einer vom Verbandspräsidenten Gerd Heinze und Anwalt Marius Breucker unterzeichneten Erklärung. Andere Blutwerte, die auf Doping hindeuten könnten - etwa Hämoglobin oder Hämatokrit -, seien unauffällig gewesen. Aufgrund eines einzelnen Blutwertes sei ein verlässlicher Doping-Nachweis nicht zu führen, erklärte der Verband.

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