01.11.2009
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Verlegerin verteidigt Verkauf von Suhrkamp-Archiv

Marbach/Frankfurt/Main (dpa) - Der Suhrkamp Verlag hat den Verkauf seiner millionenteuren Archive an das Deutsche Literaturarchiv als Investition in die Zukunft verteidigt.

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Ulla Unseld-Berkewicz
Ulla Unseld-Berkewicz hat den Verkauf der Archive an das Deutsche Literaturarchiv als Investition in die Zukunft verteidigt.
© dpa

"Kein Privatunternehmen kann ein derartiges Archiv aus eigener Kraft angemessen betreuen", sagte die Suhrkamp-Verlegerin und Witwe des 2002 gestorbenen Verlagschefs Siegfried Unseld, Ulla Unseld-Berkéwicz, in einem Interview mit dem "Spiegel" (Montagsausgabe). Wie am Freitag bekanntgeworden war, gehen die Suhrkamp-Archive mit Manuskripten und Korrespondenzen berühmter Autoren wie Martin Walser, Hermann Hesse, Bertolt Brecht oder Ricarda Huch an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach (Baden-Württemberg).

Experten taxieren den Wert der Sammlung auf fünf bis sieben Millionen Euro. Unseld-Berkéwicz nannte keinen Kaufpreis, kündigte aber an, den Gewinn in den Verlag zu reinvestieren. "Wir denken, jeder Profit muss sich dadurch rechtfertigen, dass dabei neue gute Bücher möglich werden. (...) Wir bekommen Geld, mit dem wir Dinge finanzieren, die den Kulturstand mehren. In der Summe profitiert die lesende Öffentlichkeit. Sinnvoller lässt sich mit einem Erbe nicht umgehen", sagte sie dem Nachrichtenmagazin. Der Suhrkamp Verlag zieht zum Jahreswechsel von Frankfurt nach Berlin.

In den Medien hat es Spekulationen gegeben, das Unternehmen brauche Geld. Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Samstagausgabe) wird im Kunsthandel bereits nach neuen Besitzern für einige verlagseigene Kunstwerke gesucht, zu denen der berühmte Goethe von Andy Warhol gehören solle. "Stutzig" mache, dass dem Weltbild Verlag eine Lizenzausgabe von Uwe Tellkamps Suhrkamp-Bestseller "Der Turm" nur ein Jahr nach dem Erscheinen der Originalausgabe gewährt werde "in einer Art Clubausgabe zu Weihnachten für 14,95 Euro".

Bisher hatte die Frankfurter Goethe-Universität die Archive verwaltet, scheiterte nun aber mit einem Übernahmeangebot. Zur Begründung für den Zuschlag an Marbach sagte Unseld-Berkéwicz: "Die Adresse steht für bewusste Anstrengungen, die Zerstreuung literarischen Erbes zu bekämpfen, weil man dort eben weiß, dass es sich bei diesem Erbe nicht um eines handelt, das man aufteilen, zuteilen kann. (...) Marbach erschließt der Öffentlichkeit die Dimension dessen, was privater Reichtum war." Der Marbacher Archiv- Leiter Ulrich Raulff sagte am Freitag: "Der Hauptgrund war kein finanzieller, Frankfurt hat auch viel Geld geboten." Den Ausschlag für Marbach gegeben hätten vielmehr die dortige Infrastruktur, das Fachwissen der 200 Mitarbeiter sowie der Wunsch der noch lebenden Literaten, ihre Vor- oder Nachlässe Marbach zu überlassen.

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