13.11.2006
|
Bookmark-DiensteBookmark-DiensteBookmark-DiensteBookmark-Dienste

Guido Ponzini - Twilight Town

Es herbstelt, graupelt und schneit, die Blätter fallen, und nun bricht sie endlich an, die gemütliche Phase. Jene Ära, in der wir die sonnigen Reggae- und Salsa-CDs in die Ecke stellen, und in der sogar mancher hart gesottene Metal-Freak sich heimlich Kuschelrockballaden anhört und Weihnachtsbastelhefte wälzt, und in der wir natürlich CDs brauchen, die zu unserer sturmgepeitschten Melancholie passen.

Von Kati Hofacker

Guido Ponzini - Twilight Town
Guido Ponzini - Twilight Town

Wie - mit einigen juvenilen Ausreißern und damit Abstrichen - das äußerst unangepasste Werk des Bass- und Chapman-Stick-Virtuosen Guido Ponzini, der mit "Twilight Zone" das bietet, was der Titel verspricht.

Zur Erinnerung: Der Stick, erfunden vom Jazzmann Emmett Chapman, ist jenes wundervolle Instrument, das nicht gezupft wird, sondern auf dessen Bünde der acht bis zwölf empfindlichen Saiten man nur zu drücken braucht ("two-handed-tapping"), um glasklare Töne zu entlocken. Es freut ganz besonders, dass sich endlich wieder jemand dieses Teils annimmt, das wir zuletzt auf der Bühne in den gesegneten Händen des Bassgottes Tony Levine (Peter Gabriel, King Crimson) sehen konnten.

Ein zwielichtiger Geselle ist jener Twilight-Zone-Ponzini also, unmöglich einzuschätzen! Ist Ponzini Klassiker, New Ager oder Jazzer? Ist er mit seinen schlappen 21 Jahren ein echtes Wunderkind oder nur ein Blender, der viele Töne pro Sekunde herunterhaspeln kann?

Der in Manerbio / Italien geborene Youngster kümmert sich selbst scheinbar wenig um seine Einschätzbarkeit und liefert mit seinen Mitstreitern Giovanni Amighetti an Klavier und Gitarre, Guo Yue an der Bambusflöte und Luisa Cottifogli am (selten aufgestellten) Mikro eine Art esoterischer Meditationsplatte ab, die so hochqualitativ ist, wie selten in diesem Genre. Wenn "Twilight Zone" denn eine New-Age-CD ist.

Man kann es auch umgekehrt betrachten: Ponzini spaziert in seinem jugendlichen Leichtsinn spielerisch auf dem schmalen Grat zwischen Jazz, Ethno und klassizistischer Virtuosität, und behält sich dabei trotzdem eine elegische Schwebestimmung bei, ein atmosphärisch dichte Ruhe, die ihn ins Genre meditativer Ambient schwappen lassen könnte.

Wäre er nicht so ein Heißsporn: Hin und wieder nämlich geht der Gaul mit ihm durch, und er malträtiert seinen Stick in "Rainstorm Upon The Harbour" eher nach Art einer ausgewachsenen Sturmflut, trommelt Programmusik-artig die "Hammers Upon The Coal-Mine", oder spielt verrückt im Béla-Bartók-Genre ("The Bear - Painful Retreat") - schließlich studieren er und sein Kollege Amighetti Komposition in Mailand.

Größtenteils jedoch verbleiben die Werke der Debütanten im stilistisch sicheren Bereich zwischen klassischem Gitarrenkonzert, fein gesponnenen lyrischen Saitenweisen und zarten impressionistischen Farbtupfern. Ein wenig unausgegoren und wirr wirkt dieses Gesellenstück durch die Stilwechsel natürlich schon, aber wenn Ponzini an den Richtigen (Hollywood?) gerät, dürfte noch viel von ihm zu erwarten sein.

Bewertung: überzeugend

Guido Ponzini

Titel:"Twilight Town"
Label:Ozella
Vertrieb:in-akustik
Erscheinungstermin:20.10.2006
EAN-Code:4038952000133

© teleschau - der mediendienst GmbH

Artikel bewerten:
Meinungen zum Thema (0) in Stars

Was ist Ihre Meinung zu diesem Artikel? Bisher wurde hierzu noch keine Meinung abgegeben - aber Sie haben doch bestimmt eine!

Meinung schreiben

GMX interaktive Suche

Schließen